Brigitte Lindmeier

Blinden- und Sehbehindertenberater

Behindertenbeauftragte

Heute ist der

Jahreshauptversammlung 2014

Waging am See. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) ist die Selbsthilfeorganisation blinder und sehbehinderter Menschen in Bayern. Rat und Hilfe erhalten Betroffene wohnortnah in zehn Bezirksgruppen in Bayern. Die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim ist eine dieser zehn Beratungsstellen. Von hier aus werden, wie in der eindrucksvollen Bilanz bei der Jahreshauptversammlung am Samstag im Kurhaus in Waging dargelegt wurde, die aktuell 624 Mitglieder, sowie rund 2000 Nichtmitglieder betreut.
Zum Betreuungsgebiet Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim zählen die Landkreise Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Miesbach und Rosenheim. Bei Hausbesuchen, die von selbst Betroffenen durchgeführt werden, werden Neu-Betroffene, Mitglieder, Nichtmitglieder und Angehörige beraten und betreut. Es werden, wie aus dem Bericht der Verwaltungsangestellten Angelika Zuckerstätter hervorging,  Hilfen bei der Bewältigung des Alltags angeboten, die Mitglieder werden auch durch Rechtsberatung und -vertretung in behinderungsbedingten Angelegenheiten unterstützt. Außerdem werden Ausflüge, Stammtische und Kaffeekränzchen und Feiern für die Mitglieder organisiert. Die Bezirksgruppe hält auch die Kontakte zu den zuständigen Behörden und Organisationen, vertritt die Interessen ihrer Mitglieder und betreibt Öffentlichkeitsarbeit.
Die genannten Zahlen waren in der Tat eindrucksvoll. Als Berater für Blinde und Sehbehinderte tätig sind die Bezirksgruppenleiterin Brigitte Lindmeier (Kreise Altötting und Mühldorf), Ingrid Lischke (Berchtesgadener Land und Traunstein), Henriette Pascoe (Mühldorf), Friedrich Gerlmaier (Rosenheim), Franz Kopp (Miesbach) sowie Franz Schön unterstützend im Landkreis Miesbach und Mühldorf. Sie haben im Jahr 2013 nicht weniger als 159 Hausbesuche absolviert. Außerdem wurden in der Beratungsstelle zahlreiche Beratungen durch die hauptamtlichen Mitarbeiter und die Bezirksgruppenleiterin durchgeführt - im Durchschnitt sechs Beratungen täglich.
Die Bezirksgruppe beschäftigt sieben Mitarbeiter mit einer Wochenarbeitszeit zwischen 39 und zwei Wochenstunden und gibt dafür, wie aus dem Finanzbericht von Cornelia Reiser hervorging, um die 65000 Euro im Jahr aus, darin eingeschlossen die Aufwandsentschädigungen der ehrenamtlichen Kräfte. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben im vergangenen Jahr auf stolze 176.571 Euro; Hauptposten neben den Personalkosten waren Mieten, Beiträge an andere Organisationen, Veranstaltungen, Einkäufe von Hilfsmitteln, die dann an Mitglieder weitergegeben werden. Auf der Einnahmenseite stehen Zuschüsse, Spenden, die Mitgliedsbeiträge in Höhe von über 40.500 Euro und die Verkäufe von Hilfsmitteln - insgesamt 135.462 Euro.
Zum Angebot der Bezirksgruppe gehört auch ein umfangreicher gesellschaftlicher Bereich. So gibt es in Rosenheim einmal monatlich einen Begegnungsnachmittag, ebenfalls einmal im Monat Stammtische in Burghausen, Bad Reichenhall, Holzkirchen, Mühldorf, Traunreut, Rosenheim und Waldkraiburg - zudem den alljährlichen Wiesn-Stammtisch auf dem Rosenheimer Herbstfest. Zudem stehen in den einzelnen Landkreisen zahlreiche Ausflüge auf dem Jahresprogramm: von Rosenheim und Miesbach aus zur Schafwollspinnerei in Litzldorf, von Burghausen aus nach Bad Füssing, von Holzkirchen aus nach Ettal und Freising, von Bad Reichenhall aus in die Ramsau. In Reit im Winkl wurde Langlauf angeboten, Kegeln findet alle 14 Tage statt und zusammen mit der DAV-Sektion Bad Aibling wurden vier Wanderungen durchgeführt. Dann gab es auch noch Saunabesuche und eine Tandem-Rundfahrt. Um auf die Problematik von Blinden und Sehbehinderten aufmerksam zu machen, haben Ehrenamtliche der Bezirksgruppe vergangenes Jahr in fast 100 Klassen aller Schularten, nicht zuletzt auch in Berufsfachschulen für Pflegeberufe, Vorträge gehalten. Für die Mitglieder gibt es die sogenannte "klingende Zeitschrift" mit dem Titel "Kontakt", die man abonnieren und zudem per Telefon abhören kann. Besonderen Dank galt dem Ehrenmitglied Friedrich Gerlmaier, der mit Reportagen und Beiträgen diese Zeitschrift bereichert.
Unterstützt wird die Arbeit der Bezirksgruppe von der Sozialabteilung Oberbayern mit Sitz in München, wie der in Traunstein wohnhafte Diplom-Sozialpädagoge Max Troppmann berichtete. Er unterstützt die ehrenamtlichen Blinden- und Sehbehindertenberater und leitet die Sitzung des Reha-Teams. Ziel ist es, dass blinde und sehbehinderte Menschen so selbstbestimmt und selbstständig wie möglich am Leben teilnehmen können. Einmal monatlich kommt Troppmann zur Beratung nach Rosenheim, wo vergangenes Jahr 44 Beratungsgespräche stattfanden. Dazu kamen 19 Hausbesuche und 253 telefonische Beratungen.
Die Bezirksgruppe hofft, wie deren Leiterin Brigitte Lindmeier zu berichten hatte, auf neue Räumlichkeiten für die Beratungsstelle in einem Gebäude gegenüber dem Rosenheimer Bahnhof. Die Verhandlungen mit dem Vermieter laufen, jetzt hoffe man zum einen auf eine vertretbare Einigung und zum anderen auf Spenden von Firmen, Stiftungen, auch von Mitgliedern und Förderern, um diese neuen Räume gegebenenfalls auch finanzieren zu können.
Zum Schluss der Versammlung wurde Kritik daran geäußert, dass das umfangreiche Angebot der Bezirksgruppe auch Nichtmitgliedern zur Verfügung steht. Wer nicht Mitglied ist, so hieß es, sollte für die Leistungen bezahlen müssen. Das sieht auch Bezirksgruppenleiterin Lindmeier so. Aber bisher sei dies vom Landesverband aus so geregelt. Sie werde dieses Thema aber bei einem der nächsten Treffen ansprechen. Gerade auch im Hinblick auf sinkende Mitgliederzahlen wäre es hilfreich, wenn Nichtmitglieder für Leistungen zahlen müssten.
Etwa 140 Besucher waren zur Jahreshauptversammlung der Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim nach Waging gekommen, rund die Hälfte davon waren Begleitpersonen. Bezirksgruppenleiterin Brigitte Lindmeier, selbst Betroffene, freute sich bei ihrer Begrüßung über diesen besten Besuch seit langem. Dies sei, so stellte sie fest, wohl ein Zeichen dafür, dass die Arbeit der Bezirksgruppe geschätzt werde. Schon vergangenes Jahr hatte die Jahreshauptversammlung, bei der Lindmeier wiedergewählt worden war, in Waging stattgefunden, und wegen der guten Aufnahme habe man auch heuer wieder Waging gewählt. Hier bietet die Gastronomie den sehbehinderten Besuchern beispielsweise an, dass die Gerichte bereits geschnitten serviert werden.
Den Besucher lag auch ein spezielles Angebot der Landschaftsführer am Chiemsee vor: Natur und Kultur auf dem Chiemsee barrierefrei und mit allen Sinnen zu erleben: am 28. Mai von Chieming aus. Und zum Tag der Sehbehinderung am 8. Juli sind alle Interessierten auf den Bahnhof Rosenheim eingeladen: Hier informierten Zugbegleiter der Bayerischen Oberlandbahn über Details der Zugbenutzung wie Türverriegelungen oder Toilettenspülung; zudem sollen hier beispielsweise die Sitzplatz-Nummern auch in Blindenschrift beschriftet werden.
Zur Versammlung, bei der Mitarbeiter einer Anbieterfirma ein ganzes Sortiment von Hilfsmitteln für Sehbehinderte präsentierten und erläuterten,  hat die Bezirksgruppe aus allen Landkreisen Busse eingesetzt, um die Besucher problemlos nach Waging und wieder zurück zu bringen. Nach der Versammlung und dem gemeinsamen Mittagessen, das die Bezirksgruppe finanziert hat, sorgte der Waginger Fritz Perschl mit seiner Ziach und seinem Gesang für die Unterhaltung der Gäste.
Der neue Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde Waging am See, Christian Reiter, hatte zu Beginn die Gäste begrüßt, die Gemeinde kurz vorgestellt und versichert, dass in der sozialen Gemeinde Waging Behinderte und Benachteiligte nicht vergessen würden. In dem Zusammenhang erwähnte er auch den Behindertenbeauftragten Manfred Biffar, der bei der Veranstaltung ebenfalls anwesend war. Man fühle sich, so versicherte Reiter, in der Gemeinde verpflichtet, bei allen Entscheidungen an die Menschen zu denken, die benachteiligt sind. Den Verantwortlichen des Blinden- und Sehbehindertenbundes sprach er für ihr ehrenamtliches Engagement "allerhöchsten Respekt" aus.

Ehrungen
Für langjährige Mitgliedschaft wurden 17 Mitglieder der Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes geehrt:

jahreshauptversammlung2014

für 50 Jahre Fritz Gerlmaier aus Bad Aibling
für 40 Jahre Ingrid Feuerer aus Rosenheim, Gerhard Gießler aus Freilassing, Josefine Grabl aus Bruckmühl und Simon Wimmer aus Wasserburg
für 25 Jahre Johannes Ihlenburg aus Altötting, Hermann Mangesius aus Waldkraiburg, Christian Staudhamer aus Altenmarkt und Brigitte Steiner aus Raubling für zehn Jahre Anna Erhardt aus Bischofswiesen, Georg Herrmann aus Kastl, Tanja Kappaun aus Rosenheim, Otto Knapp aus Aiging, Roswitha Rasch aus Unterneukirchen, Irmgard Recklebe aus Brannenburg, Herta Schimpl aus Bad Reichenhall und Regina Winkelhofer aus Piding.

Weihnachtsfeier 2013

Barrierefreie Beratungsräume auf dem Weihnachtswunschzettel: Stimmungsvolle vorweihnachtliche Feier des BBSB Rosenheim im Aiblinger Kurhaus
"Barrierefreie Räumlichkeiten für unsere Rosenheimer Beratungsstelle stehen ganz oben auf unserem Weihnachtswunschzettel" erklärte Bezirksgruppenleiterin Brigitte Lindmeier in ihrer Ansprache bei der vorweihnachtlichen Feier der Ortsgruppe Oberbayern Rosenheim des Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) im vollen Großen Saal des Aiblinger Kurhauses mit zahlreichen Ehrengästen (darunter die Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner, Landrat Josef Neiderhell und Bürgermeister Felix Schwaller). Die Bezirksgruppenleiterin wünscht sich als neuen Standort für die Beratungsstelle geeignete Räumlichkeiten möglichst in der Nähe des Rosenheimer Bahnhofs und bat die Vertreter des öffentlichen Lebens hierzu um Unterstützung. Ferner sprach sie allen haupt- und ehrenamtlichen BBSB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihren Dank für ihren Einsatz aus und würdigte auch das Engagement der Begleitpersonen, die einen großen Teil ihrer Freizeit für die Blinden und Sehbehinderten opferten.

weihnachtsfeier2013

Ebenso dankte sie allen Gönnern und Spendern für ihre Zuwendungen, ohne die die Bezirksgruppe ihre Arbeit nicht im gewohnten Umfang leisten könnte. Zudem bedankte sie sich bei der Stadt und dem Landkreis Rosenheim für die Zuwendungen anlässlich des 40jährirgen Bezirksgruppen-Jubiläums. Auf das Engagement des Landkreises Rosenheim für die Behinderten wies Landrat Josef Neiderhell in seinem Grußwort hin. "Wir tun alles, um behinderten Menschen die Teilnahme am Alltag zu erleichtern" bekräftigte er. So sei der Landkreis hinsichtlich der für Menschen mit Sehbehinderung problematischen Bedienung von Fahrkartenautomaten im Gespräch mit den Verantwortlichen. Auch Rosenheims 2. Bürgermeister Anton Heindl stellte Aktivitäten der Stadt heraus für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stünden, wie den 1. Rosenheimer Selbsthilfetag. "Integration und Inklusion finden in den Köpfen statt" unterstrich er abschließend. An diese Aussage knüpfte Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller mit dem Wunsch an, dass "Integration und Inklusion nicht nur leere Worte bilden". Ferner honorierte er den Einsatz des BBSB-Ehrenmitglieds Fritz Gerlmaier für die sehbehindertengerechte Ausstattung von Kreisverkehren. Der stv. Landesvorsitzende des BBSB, Dr. Stefan Insam, stellte verschiedene Aspekte der Barrierefreiheit in den Mittelpunkt seiner Rede. So hob er nach dem Wegfall der völligen Befreiung von den Rundfunkgebühren das verbesserte Hörfilmangebot mit AD (Audiodeskription) hervor, mit dem bereits einige TV-Sendungen ausgestrahlt würden. Ferner werde der Schwerbehindertenausweis für Betroffene mit Brailleschrift ausgegeben. "Zur Unterstützung der öffentlichen und privaten Bauträgern haben wir die "Offensive Barrierefreiheit" gestartet" gab der BBSB-Vize zudem bekannt und teilte außerdem  mit, dass zwischen dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und dem Bundesverband des Deutschen Einzelhandels derzeit Kriterien für ein barrierefreies und generationenfreundliches Einkaufen erarbeitet werden. Zum Abschluss des offiziellen Teils der Feier ehrte die Bezirksgruppenleiterin mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren engagierten und teils schon langjährigen Einsatz. Den besinnlichen Teil der Feier gestalteten Oliver Schell, Andrea Glanz-Schell und Emanuel Dürr sprachlich und musikalisch einfühlsam mit dem viel beklatschten bayerischen Mundart-Weihnachtsklassiker "Heilige Nacht" von Ludwig Thoma. Mit dem gemeinsam gesungenen "Stille Nacht, heilige Nacht" und den Weihnachts- und Neujahrswünschen der Bezirksvorsitzenden Brigitte Lindmeier endete die stimmungsvolle vorweihnachtliche Feier. (Text v. Johann Baumann)

40-Jahrfeier der BZG

"Sehende und Blinde haben sich viel zu geben"
Vor 40 Jahren hat sich die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) gegründet. Erklärtes Ziel war, ein Beratungsangebot für Betroffene in der Region zu schaffen, die sich untereinander austauschen und gemeinsam aktiv sein können, wie BBSB-Landesvorsitzende Judith Faltl beim Festakt zum Jubiläum im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim vor vielen Gästen erklärte.
Rosenheim - Wie sehr die geleistete Arbeit der Selbsthilfeorganisation in Stadt und Landkreis Rosenheim geschätzt wird, das machte BBSB-Bezirksgruppenleiterin Brigitte Lindmeier an den zahlreich erschienen Ehrengästen fest. Bis auf den letzten Platz war der Saal gefüllt, so viele Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Behörden sowie treue Weggefährten und Gönner waren zur 40-Jahr-Feier gekommen.
Für ein möglichst selbstständiges Leben
Lindmeier hob gleich zu Beginn ihrer Rede den großen Einsatz der zahlreichen ehrenamtlichen und hauptamtlichen BBSB-Mitarbeiter hervor. Sie hätten sich all die Jahre dafür eingesetzt, dass blinde und sehbehinderte Menschen wieder zu einem möglichst selbstständigen und selbst bestimmten Leben zurückfinden können.

40jahrfeier-brigittelindmeier

Besonders hervorzuheben ist nach den Worten der Bezirksgruppenleiterin das unermüdliche Engagement von Ehrenmitglied Friedrich Gerlmaier, der sich bereits bei Gründung der Bezirksgruppe im Jahre 1973 als Leiter zur Verfügung stellte und seitdem in allen Bereichen für den BBSB im Einsatz ist.
Viele Kontakte zu Behörden, Ämtern, Einrichtungen, Vereinen und anderen Organisationen seien in den vergangenen vier Jahrzehnten aufgebaut und vertieft worden, um auf die Bedürfnisse und Belange von Betroffenen aufmerksam zu machen. Auch die vielen Gönner und Spender ließ Lindmeier nicht unerwähnt: "Ohne ihre Unterstützung wäre unsere Arbeit im bisherigen Umfang nicht möglich."
Die Bezirksgruppenleiterin und ihre Stellvertreterin, Martina Hell, versprachen, sich auch weiterhin für die Belange von blinden und sehbehinderten Menschen, für Barrierefreiheit sowie für Inklusion im Landkreis stark zu machen. Den Festakt nützte das Duo für einen Appell an Rosenheimer Wohnungsbesitzer. Denn die Bezirksgruppe sucht dringend barrierefreie Räumlichkeiten in Bahnhofsnähe zur Miete mit rund 150 bis 200 Quadratmetern.
Beispiele dafür, dass die Bemühungen des BBSB um Inklusion von Erfolg gekrönt seien, hatte Landesvorsitzende Judith Faltl parat. So gäbe es mittlerweile an so manchen Bahnhöfen sprechende Geldautomaten. Bei den Wahlen seien Sehbehinderte unaufgefordert akkustische Informationen zugesandt worden. "Das zeigt, wir werden gehört", bilanzierte die Rednerin. Dennoch mache sich der BBSB auch weiterhin auf den Weg, um für die Umsetzung der UN-Konvention in Bayern zu kämpfen.
"Unser Auftrag für Menschen mit Behinderungen darf niemals enden", betonte ebenso Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, die auch im Namen von Landrat Josef Neiderhell sprach. Sie ziehe den Hut vor den engagierten Frauen im BBSB und hege tiefe Bewunderung dafür, mit wie viel Charme und Kraft sie die politischen Mandatsträger aller Fraktionen erreicht hätten. "Sehende und Blinde haben sich viel zu geben. Dabei ist jeder Einzelne gefragt", meinte Bauer und versprach, sprechende Geldautomaten auch in Rosenheim einzuführen.
Wie wichtig es ist, nicht nur bauliche Barrieren, sondern auch die Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen, verdeutlichte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Nur dann könne jeder ein gleichwertiger Teil der Gesellschaft sein.
Dieser Aussage konnte sich Annemarie Biechl nur anschließen. Die CSU-Landtagsabgeordnete, die sich heuer nicht mehr zur Wahl stellte, wählte diesen Festakt bewusst als eine ihrer letzten Veranstaltung, wie sie in ihrer bewegenden Rede bekräftigte. Dazu Biechl: "Menschen mit Behinderung lagen mir immer sehr am Herzen und gehören in die Mitte der Gesellschaft."
Bei einer "Reise in die Vergangenheit" holten Moderator BBSB-Landesgeschäftsführer Christian Seuß und Ehrenmitglied Friedrich Gerlmaier treue Wegbegleiter und Mitstreiter wie etwa Jürgen Lutz vom Deutschen Alpenverein, Bahnhofsmanager Helmut Zöpfl und Abteilungsleiterin Eva Weber vom Staatlichen Bauamt Rosenheim auf die Bühne.

40jahrfeier

Gerlmaiers lustige Anekdoten aus der Vergangenheit sorgten dabei für gute Stimmung im Saal.
Mit den Ehrungen wurde der Festakt, der musikalisch von den "Andreasbläsern Engelsberg" umrahmt wurde, abgerundet.

40jahrfeier-kapelle

Gerlmaier wurde für seine 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Beschlossen wurde die Veranstaltung mit dem Gedenken an den Vermächtnisgeber "Konsul Egon von der Brelie".

40Jahrfeier

Damit sich Blinde besser zurechtfinden

Traunstein. Bei der Umgestaltung des Traunsteiner Bahnhofs haben sich die Stadt und die Deutsche Bahn besonders darauf geachtet, Behinderten dort den Aufenthalt zu erleichtern. "Wir haben dabei vor allem an blinde und sehbehinderte Menschen gedacht", sagte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. Das bestätigte auch Johann Ramstötter, Mitarbeiter bei DB Station und Service im Bahnhofs-Management Oberbayern.

Orientierungshilfen Traunsteiner Bahnhof

Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte gibt es am Traunsteiner Bahnhof. Am "Tag des weißen Stockes" organisierte die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes eine Besichtigung am Bahnhof, bei der diese Hilfen erläutert wurden. (Foto: Humm)

Am "Tag des weißen Stockes" im Rahmen der bundesweiten Aktion der "Woche des Sehens" organisierte die Bezirksgruppe Oberbayern-Rosenheim des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes eine Besichtigung am Bahnhof.
Teilnehmer waren neben anderen der Regionalbeauftragte Friedrich Gerlmaier, Bezirksgruppenleiterin Brigitte Lindmeier, die Blinden- und Sehbehindertenberaterin für den Landkreis Traunstein, Ingrid Lischke und die Behindertenbeauftragten des Landkreises, Christine Marino. Johann Ramstötter machte beim Verlassen des Bahnhofs zum Busbahnhof hin auf die in den Boden eingearbeiteten hellen Rippen- und Noppenplatten aufmerksam. Sie weisen darauf hin, dass in 80 Zentimeter seitlicher Entfernung eine Bahnsteigkante vorhanden ist. Am Beginn der Geländer befinden sich in Blindenschrift Einkerbungen, die auf das Gleis 1a in Richtung Busbahnhof hinweisen.
Als etwas problematisch bezeichnete Ramstötter die neun Bushaltestellen, denn für einen Blinden sei es nicht leicht, die richtige Haltestelle zu finden. Der Oberbürgermeister meinte, dass hier die Busfahrer gefordert seien. Man müsse sie für Blinde sensibilisieren. Die Sehbehinderten und Blinden bezeichneten Traunstein als einen Vorzeigebahnhof besonders für Behinderte. Das gelte umso mehr, wenn der behindertengerechte Aufzug fertig sein wird. Der Regionalbeauftragte für barrierefreie Umwelt und Verkehr, Friedrich Gerlmaier, kritisierte allgemein die Häufung von den Kreisverkehren in den Orten und nannte sie einen "Horror" für Sehbehinderte und Blinde. Er bemängelte in diesem Zusammenhang fehlende Überquerungsmöglichkeiten. Kösterke sagte, in Traunstein gebe es innerorts nur wenige Kreisverkehre. OH

Quelle: Traunsteiner Tagblatt 23.10.2012


Sicherer Übergang

In Garching an der B 299 ist die erste Querungsinsel für Menschen mit Geh- und Sehbehinderung des Landkreises entstanden − Kosten: 60 000 Euro


Übergang

Brigitte Lindmeier hat sich dafür eingesetzt, dass im Zuge der Ausbauarbeiten an der B 299 eine Querungsinsel für Behinderte Menschen gebaut wird. Die Verkehrsinsel ist zweigeteilt. Eine Seite ist abgesenkt, um für Rollstuhlfahrer Barrierefreiheit zu garantieren. Die andere Seite ist mit Bordstein und Rillenplatten versehen, um Sehbehinderten anzuzeigen, wo die Straße beginnt und endet. Seit Freitag ist die B 299 wieder unter Verkehr. Brigitte Lindmeier hat sich dafür eingesetzt, dass im Zuge der Ausbauarbeiten an der B 299 eine Querungsinsel für Behinderte Menschen gebaut wird. Die Verkehrsinsel ist zweigeteilt. Eine Seite ist abgesenkt, um für Rollstuhlfahrer Barrierefreiheit zu garantieren. Die andere Seite ist mit Bordstein und Rillenplatten versehen, um Sehbehinderten anzuzeigen, wo die Straße beginnt und endet. Seit Freitag ist die B 299 wieder unter Verkehr.


Garching. Bei einem Durchgangsverkehr von 15 000 Autos am Tag ist es eigentlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber trotzdem ist es gut, dass sie da ist: Die erste Querungshilfe für Menschen mit Geh- und Sehbehinderung im Landkreis ist nun in Garching auf der B 299 gebaut worden. Dafür eingesetzt hat sich Brigitte Lindmeier, die im Anzeiger von den geplanten Straßenarbeiten gelesen und sich dann an die Stadt gewandt hatte, um mit deren Hilfe beim staatlichen Bauamt in Traunstein eine solche Straßenteilung zu erwirken.


Wichtig sei die Verkehrsinsel aus vielerlei Gründen, erklärt die Behindertenbeauftrage der Gemeinde Garching, die sich zudem ehrenamtlich beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund engagiert und selbst fast ganz erblindet ist. Die Querungshilfe verbinde das Neubaugebiet auf der südöstlichen Seite der B 299 mit der nordwestlichen Seite, wo das Gewerbegebiet und der Stadtkern sind.


Peter Maltan vom Staatlichen Bauamt Traunstein spricht von einer Investitionssumme von 60 000 Euro für die behindertengerechte Verkehrsinsel. Er erklärt das Prinzip der Querungsinsel: In der Mitte der Fahrbahn sind zusätzliche Platten auf einem Plateau eingelassen, die mit Rillen und Noppen versehen sind. Die Insel ist zweigeteilt, weil − und das ist die Herausforderung, wenn Barrierefreiheit für Geh- und Sehbehinderte geschaffen werden soll − Rollstuhlfahrer eine plane Fläche mit möglichst wenig Widerstand brauchen und Sehbehinderte Widerstände mit dem Stock oder den Füßen tasten können müssen, um sich orientieren zu können. Daher die verschiedenen Platten und die Zweiteilung der Insel, die auf einer Seite komplett abgesenkt ist und auf der andern Seite einen drei Zentimeter hohen Bordstein hat.


Bau

Die Rillen auf dem Gehweg zeigen die Laufrichtung an. Der Bordstein ist drei Zentimeter hoch und dient Sehbehinderten zur Orientierung.


Das gleiche Prinzip wie auf der Insel findet sich jeweils an den Gehsteigen, die für Rollstuhlfahrer teilweise ganz abgesenkt wurden und für Sehbehinderte einen drei Zentimeter hohen Bordstein haben. "Wenn ich diesen Bordstein mit den Füßen verlasse, weiß ich, jetzt bin ich auf der Straße", erklärt Brigitte Lindmeier.


Sie kennt das System, war 2010 durch ihre Tätigkeit als Bezirksgruppenleiterin bereits bei der Einweihung einer Querungsinsel in St. Quirin dabei. Schade findet sie natürlich, dass sie erst aktiv werden musste, um im Zuge der Straßenverbreiterung und Belagsanierung diese behindertengerechte Lösung der Straßenüberquerung für ihre Gemeinde zu erreichen. "Es wäre wünschenswert, wenn sich die Städte und Gemeinden bzw. das Staatliche Bauamt beim Blinden- und Sehbehindertenbund melden würden, wenn solche Straßenarbeiten geplant sind. Wir können dann gemeinsam an sinnvollen Lösungen arbeiten, denn auch uns ist nicht daran gelegen überall auf Biegen und Brechen solche Maßnahmen durchzusetzen, es muss schon sinnvoll sein", sagt Brigitte Lindmeier.


Ampel

Die einzige Ampel in Garching verfügt nicht über einen Signalton für Sehbehinderte. − Fotos: Königseder


Ein aktuelles Beispiel dafür gebe es allerdings auch schon. Es wäre nur eine kleine Veränderung nötig, die großen Nutzen bringt: Die einzige Ampel in der Stadt, die an der Kreuzung zu Wald an der B 299 liegt, ist bislang nicht mit einem Signalton für Sehbehinderte ausgestattet. Und das, obwohl unterhalb der Ampel ein Seniorenstift angesiedelt und oberhalb direkt die Kirche mit Friedhof sowie eine Bushaltestelle ist. "Blinde- und Sehbehinderte Menschen müssen sich im Verkehr auf ihr Gehör verlassen. Ein Ton, der signalisiert, dass die Fußgängerampel auf Grün schaltet, wäre an dieser Stelle sehr notwendig", erklärt Brigitte Lindmeier, die auch wegen dieses Themas bei der Gemeinde war. Bisher konnte sie aber lediglich erreichen, dass die Gemeinde schriftlich beim Bauamt anfragt.


Es seien aber bereits Bedenken wegen der Lärmbelästigung des Ampelsignaltons laut geworden, weiß die engagierte Behindertenbeauftragte. Doch auch hier gibt es eine Lösung: "Man kann den Schalter so einbauen, dass er für das akustische Signal individuell betätigt werden kann und wenn normal gedrückt wird, gibt es auch keinen Ton und damit keine Lärmbelästigung, außerdem ist der Verkehr an dieser Stelle so laut, dass das Signal für Anwohner kaum zu hören sein dürfte. Abgesehen davon gibt es kaum Anwohner", erklärt Brigitte Lindmeier, die weiß, dass durch die Überalterung der Gesellschaft auch mehr und mehr Senioren auf Hilfen, wie einen einfachen Signalton an einer Ampel, angewiesen sein werden.


Eierlikörtorte auf sechs Uhr

Beim Tag des weißen Stockes wurde "blind" gegessen und ein wenig gekleckert

Von A. Königseder
Altötting. Über den sprichwörtlichen Tellerrand "geblickt" haben beim "Tag des weißen Stockes" Bürgermeister und Behindertenbeauftragte des Landkreises. Eine Augenbinde Kuchen und Kaffee mit Augenbindesimulierte völlige Dunkelheit und verdeutlichte wie schwierig selbstverständliche Alltagshandlungen wie Kaffee einschenken für Blinde bzw. Sehbehinderte ist.
Dabei hatten Dieter Haitzinger, Tögings Behindertenbeauftragter, Peter Haugeneder, Bürgermeister von Neuötting, Wolfgang Sellner, 2. Bürgermeister von Altötting und Feichtens Bürgermeister Johann Aicher kompetente Unterstützung von Blinden- und Sehbehindertenberaterin Brigitte Lindmeier und Rehabilitationslehrerin Kathrin Schreck. Auch Bedienung Ines Sladek stand den Männern mit den Augenbinden bei und gab Tipps: "Achtung, nicht erschrecken, ich serviere die Eierlikörtorte. Die Gabel liegt recht, die Serviette links und rechts davor stelle ich das Kaffeegedeck hin." Erstes Tasten beginnt, ganz vorsichtig wird die neue Lage auf dem kleinen Cafétisch ausgelotet. Dieter Haitzinger streckt den Zeigefinger seiner rechten Hand in die Tasse während er den heißen Kaffee eingießt, um keine Überflutung zu riskieren.

Film ansehen? Bitte klicken Quelle: RFO - Regional Fernsehen Oberbayern

"Wir arbeiten mit dem Uhrzeigersystem" erklärt Brigitte Lindmeier. Vor dem inneren Auge stellt man sich eine Uhr vor und gibt mit Uhrzeiten den jeweiligen Standort eines Gegenstandes an. "Für Dieter Haitzinger würde das bedeuten: Eierlikörtorte auf sechs Uhr."
Doch nicht jede Servicekraft ist so umsichtig und vorausschauend wie Ines Sladek, weiß Sascha Pawolleck, Behindertenbeauftragter des Landratsamtes: "Die meisten Leute sind mit der Situation überfordert, wenn sie auf einen Blinden treffen." Anstatt den Standort des Glases zu nennen, würden viele einfach sagen: "Ich stell’s da hin", erzählt Pawolleck, der ebenfalls blind ist.
In der Runde kommt die Frage nach der Uhrzeit auf. "Ich habe gar kein Zeitgefühl mehr", sagt Wolfgang Sellner. "Und wie schaut man jetzt auf die Uhr?", fragt Peter Haugeneder. Die Antwort ist recht einfach: "Blinde haben sprechende Uhren", erklärt Anne Mitterer, die frühere Blindenberaterin des Landkreises. "Vierzehnuhrdreißig", sagt die Uhr. Pawolleck hat keine sprechende Uhr, er hat eine Spezialanfertigung, kann die Zeit erfühlen. "Ich will nicht auffallen", sagt er. "Blinde brauchen für alles viel mehr Zeit", weiß Brigitte Lindmeier. Weil die räumliche Vorstellungskraft fehlt, braucht die Orientierung ob auf der Straße, im Wirtshaus oder am Bahnsteig mehr Zeit.
Im Landkreis leben ca. 400 sehbehinderte oder blinde Menschen. Dreiviertel von ihnen sind Ältere, deren Sehschwäche zur Sehbehinderung wurde. Der "Tag des weißen Stockes" findet bundesweit im Oktober in der "Woche des Sehens" statt und soll Sehenden die Widrigkeiten näher bringen mit denen Blinde zu kämpfen haben. Wolfgang Sellner hat zum ersten Mal mit der Augenbinde den Kapellplatz besucht. "Ich habe großen Respekt davor was Menschen mit Sehbehinderung leisten. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, auch dass man den Kuchen und den Kaffee anfassen muss, um alles einigermaßen unfallfrei zu sich nehmen zu können."
Jeden zweiten Montag im Monat findet ein Stammtisch für Sehbehinderte und Blinde im Gasthaus Müllerbräu in Burghausen statt.
Bericht und Fotos: A. Königseder, PNP Passauer Neue Presse